Innovationspreis SchienenNah 2022 vergeben

Der Bundesverband SchienenNahverkehr (BSN) hat Ende Juni erstmalig den Innovationspreis SchienenNah vergeben. Wir möchten die Gewinner der ersten drei Preise aber auch alle weiteren Innovationen der Teams, die zur Pitch-Präsentation am Vortag unserer Fachveranstaltung in Fulda angetreten sind, kurz vorstellen. Sie alle haben gezeigt, dass es viele wichtige Ansätze gibt, um den Nahverkehr auf der Schiene zu verbessern.

Gleich zum Start gab es eine Besonderheit: beide Ideenzüge der DB wurden mit dem ersten Preis ausgezeichnet, da der eine für den Regionalverkehr und der andere für den S-Bahn-Verkehr neue Maßstäbe setzen.

1. Platz: IdeenzugCity

Mit dem IdeenzugCity werden Zugfahrten für Berufspendler und andere Reisende angenehmer und attraktiver: Je nach Tageszeit und Anforderung können die Sitzlandschaften auf Knopfdruck ein- oder ausgefahren und damit die zur Verfügung stehende Kapazität an das Fahrgastaufkommen angepasst oder Platz für Fahrräder und Kinderwagen geschaffen werden. An Klapptischen kann während der Fahrt gearbeitet werden, die Beleuchtung passt sich unterschiedlichen Tageszeiten an und für die Fahrgastinformation wurden neuartige Displays installiert. Dies ist nur ein Auszug der vielen Neuerungen.

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1. Platz: Ideenzug Südostbayernbahn

Der Ideenzug Südostbayernbahn (SOB) zeigt, wie Zugfahren im Regionalverkehr in Zukunft aussehen kann und dabei die unterschiedlichen Ansprüche der Fahrgäste erfüllt. Es gibt zehn verschiedene Bereiche: In Bürokabinen kann in Ruhe gearbeitet werden, während man im Stammtischbereich gemütlich zusammensitzt. Es gibt eine besonders luxuriöse 1. Klasse, einen Abteilbereich, sowie Entspannungssitze zum Relaxen oder solche mit extra luftigen und rückenfreundlichen Sitzen aus Mesh. Ebenfalls an Bord sind der Familien- und Mehrzweckbereich, After-Work-Zonen und modere Fahrgastinformationssysteme. 

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„Beide Ideenzüge geben jeweils für den ihnen zugedachten Einsatzbereich wichtige innovative Impulse zum Nutzen der Fahrgäste,“ so Thomas Prechtl, Präsident des BSN, der den ersten Preis an die beiden Ideenzugteams überreichte. Der IdeenzugCity überzeugt insbesondere mit seinem Sitzkonzept, das viel Flexibilität erlaubt. Auch der Ideenzug Südostbayernbahn geht auf die unterschiedlichsten Ansprüche von Reisenden ein und zeigt überzeugend, wie Reisezeit zu gut nutzbarer Zeit werden kann. Beide sind gleich gut geeignet, um Fahrgäste zu gewinnen. daher verleiht die Jury an beide Teams den ersten Preis.

2. Platz: Intelligente Beobachter

Ein 360-Grad Kamerasystem, Software und das Erkennen von Situationen durch KI – das sind die Bestandteile des von ViSenSys entwickelten Systems „Intelligente Beobachter“. Die Jury überzeugte, dass das System nicht nur ein- und aussteigende Fahrgäste zählen und den Auslastungsgrad messen, sondern künftig auch abnormale Situationen entdecken, wie bewusstlose Personen oder Aggressivität und Übergriffe. Selbst Vandalismusschäden und der Grad der Verschmutzung werden detektiert. Und sollte es aufgrund von Corona-Regeln wieder notwendig werden, kann mit diesem System das Einhalten von Abständen, das Tragen von Masken und die Belegung von Sitzgruppen überwacht werden. 

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3. Platz: Nah- und Regionalbahnfahrzeuge mit Fahrwerken mit kleinen Rädern

Um im SPNV größere Kapazitäten zu ermöglichen, schlägt Dr. Thomas Künzel den Einsatz von kleineren Rädern an den Fahrzeugen vor. Die Jury überzeugte der Vorschlag, durch kleinere Räder die Kapazität von Doppelstockwagen zu optimieren, so dass sie bei gleicher Länge rund 20 Prozent mehr Fahrgäste befördern können. Dass dadurch auch der Personenfluss im Fahrzeug verbessert und die Einstiegszeiten reduziert werden könnten, sind ein weiteres Plus. Die Jury ist gespannt, ob sich der Vorschlag auch in der Praxis bewähren wird. 

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Weitere Pitch-Präsentationen

DB AG: Projektinnovation RIS-API – Bereitstellung zentraler Datenservices für die Reisendeninformation

Zur Verbesserung der Fahrgastinformation hat das Team miteinander kombinierbare Bausteine entwickelt, die verschiedene Funktionen für die Reisendeninformation zur Verfügung stellen. Egal ob Informationen zu Störungen, Fahrtverlauf, Anschlussinformationen und Auslastung/Belegung – so wird eine konsistente Fahrgastinformation möglich.

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pro industria, Büro für Industrial Design: SPNV Interieur / Exterieur Konzeptstudie

pro industria zeigt mit ihrer Konzeptstudie auf, wie SPNV-Fahrzeuge künftig aussehen könnten. Durch eine veränderte Aufteilung der Bereiche im Fahrzeug werden zum Beispiel kürzere Ein- und Ausstiegszeiten, kürzere Taktzeiten und höhere Fahrgastzahlen möglich. Gleichzeitig bleibt die Anordnung variabel, so dass eine automatische Umrüstung für den Betrieb in Pandemiezeiten möglich bleibt. 

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S-Bahn Berlin: Fahrgastinformation – prägnant, unterhaltsam und barrierefrei

Ziel der S-Bahn Berlin ist es, die Fahrgäste immer und überall über Baumaßnahmen im SPNV zu informieren – ob zu Hause, im Büro, am Bahnhof oder unterwegs. Dazu liefert das Team Informationen zu Abfahrtszeiten, Streckenverlauf und Anschlüssen per Video, und zwar barrierefrei, unterhaltsam und prägnant. 

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Siemens Mobility GmbH: Aggressionserkennung

Das Team hat das iCCTV (intelligent Closed Circuit Television) entwickelt, dass Echtzeit-Videodaten von Straßenbahnen und Zügen in relevante Informationen für Personal und Fahrgäste umwandelt. Die Anwendung hilft dabei, die Pünktlichkeit, Fahrgastsicherheit und Zufriedenheit zu verbessern – und einen fahrerlosen Zugbetrieb zu unterstützen.

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Siemens Mobility GmbH: SiC Traktionsstromrichter – Siliziumkarbid-Halbleiter für Traktionssysteme

So kann der SPNV noch klimafreundlicher werden: Durch den Einbau von Siliziumkarbid-Halbleiter in die Traktionssysteme von Zügen, können der Stromverbrauch und die CO2-Emissionen gegenüber heute um ca. 10 Prozent gesenkt werden. Zudem sind Zuge, die mit diesen Halbleitern ausgestattet sind, besonders leise.

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Zuse-Institut Berlin: Baufahrplanung mit mathematischer Optimierung

Das Team hat analysiert, welcher Baufahrplan den Betrieb möglichst wenig beeinträchtigt. Dafür wurde ein mathematisches Modell zur Optimierung entwickelt, damit Baufahrpläne in Zukunft auf Basis maßgeschneiderter, datengetriebener Algorithmen deutlich schneller und besser erstellt werden können – und so die Fahrgäste die geringsten Beeinträchtigungen im Betrieb hinnehmen müssen.

Mehr Informationen finden Sie in der Präsentation.

Bildnachweise: © AVP Berlin, Fotograf Alexander Doehring