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21. Februar 2013

Wettbewerber der DB AG stärker als erwartet

Strukturelle Probleme dennoch ungelöst

Immer weniger Bieter nehmen an den Wettbewerbsverfahren der Besteller des Nahverkehrs teil, und es entsteht ein Oligopol von Staatsbahnen, das bei den regionalen Bestellern höhere Preise und eine geringere Qualität der Verkehrsleistungen durchsetzen kann. In der Folge können die Aufgabenträger weniger Züge bestellen, es gibt keine neuen Fahrzeuge mehr, die Züge werden unpünktlicher, und es gibt weniger Fahrgäste. So sah das Szenario der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG-SPNV) für den Wettbewerb im SPNV vor einem Jahr aus.

Die Situation hat sich geändert: Die durch die Aufgabenträger angewendeten neuen Ideen und modifizierten Vergabeinstrumente – die separate Ausschreibung von Vertriebsleistungen, die Zulassung von Gebrauchtfahrzeugen, neue Bewertungsverfahren und die gezielte Marktanalyse – haben dazu geführt, dass auch größere Netze mit interessanten Ergebnissen erfolgreich vergeben werden konnten und sich bestehende und neue Anbieter mit engagierten Konzepten erfolgreich auf dem Markt platziert haben.

Bei ihrer heutigen Fachtagung hat die BAG-SPNV diese Instrumente zusammen mit 250 Experten eingehend erörtert. Das Fazit: Es besteht Grund zum Optimismus, die strukturellen Probleme des SPNV-Marktes sind aber ungelöst. Dazu zählen insbesondere die Schwierigkeiten bei der Fahrzeugzulassung, die bei den Aufgabenträgern liegenden Risiken der Finanzierung und die hohen Hemmnisse bei der Vereinfachung von Vertriebs- und Tarifstrukturen im Sinne der Fahrgäste.

Dr. Geyer, Präsident der BAG-SPNV: „Wir sind erleichtert, dass der Wettbewerb im SPNV weiterhin Erfolge zeigt und die Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland mit Innovationen und wirtschaftlich interessanten Angeboten das Nahverkehrsangebot attraktiver machen. Dennoch sehen wir gerade bei den noch immer bestehenden komplexen Vertriebswegen dringenden Handlungsbedarf, um im Sinne der Fahrgäste Vereinheitlichungen und Verbesserungen zu erzielen. Die Aufgabenträger haben sich auch hierzu bereits mit neuen Überlegungen Gedanken gemacht, und die möglichen Ausschreibungen von Dienstleistungsangeboten rund um den Vertrieb können sich unter bestimmten Rahmenbedingungen für alle Beteiligten lohnen. Der heutige Austausch hat aber auch gezeigt, dass die komplexen Probleme des SPNV in einen intensiven Fachaustausch zwischen Wettbewerbern und Aufgabenträger gehören.“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG-SPNV) ist die Interessensvertretung der Bestellerorganisationen des Schienenpersonennahverkehrs: Wir organisieren den Informationsaustausch zwischen unseren Mitgliedern, erarbeiten Konzepte für die Weiterentwicklung des SPNV, vertreten die Interessen der Aufgabenträger des SPNV gegenüber Politik, Öffentlichkeit, Verkehrsunternehmen und Verbänden und beraten den Bund, die Länder, Zweckverbände, Parlamente und Behörden zu allen Fragen des SPNV.