Für den Fahrgast ist es täglich „erfahrbar“– die Betreiberlandschaft der Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) hat sich verändert und ist „bunter“ bzw. vielfältiger geworden. Und nicht nur das. Verkehrsangebote konnten in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet und qualitativ verbessert werden, Fahrzeiten wurden verkürzt und modernere, also komfortablere Züge sind unterwegs.

Zu verdanken ist diese positive Entwicklung dem zunehmenden Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr. Die Besteller der Verkehrsleistungen, die 27 im Bundesverband SchienenNahverkehr organisierten Aufgabenträger, sind gehalten, den Betrieb der Linien im Wege von wettbewerblichen Vergabeverfahren (Ausschreibungen) zu vergeben. So befanden sich im Jahr 2020 ca. 67 verschiedene EVU in Konkurrenz zur Deutschen Bahn AG und ca. 39,2 % der Verkehrsleistungen wurden durch Nicht-DB-Unternehmen erbracht.

Die Erfolge des Wettbewerbs im SPNV sind keine Selbstläufer. Wettbewerb kann nur dort zustande kommen, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Hierzu ist in erster Linie eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung durch Bund und Länder erforderlich. Aber auch der Marktzugang muss allen Verkehrsunternehmen gleichermaßen und zu fairen Bedingungen offen stehen. Dies erfordert eine starke und mit klaren Kompetenzen ausgestattete Regulierungsbehörde sowie ein Eisenbahnregulierungsgesetz, das effektiv wirkende Regulierungsinstrumente vorsieht.

Als eine Kernherausforderung des SPNV-Marktes wird seitens der Verkehrsunternehmen derzeit die Fahrzeugfinanzierung eingeschätzt. Die Entscheidung über eine Beteiligung an Ausschreibungsverfahren treffen Verkehrsunternehmen nicht zuletzt unter dem Aspekt, ob die Aufgabenträger eine Unterstützung bei der Finanzierung der Fahrzeuge anbieten. Die Aufgabenträger haben auf diese Marktsituation reagiert und in den vergangenen Jahren verschiedene Modelle zur Unterstützung der Fahrzeugfinanzierung entwickelt. Diese reichen von Wiedereinsatzgarantien und Wiederzulassungsgarantien bis hin zu Kapitaldienstgarantien. 


Wettbewerb bedeutet insgesamt bessere und weiter optimierte Leistungen für einen ausgewogenen Mitteleinsatz, was zu Fahrgastzuwächsen führt und den Verkehrsträger Schiene im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln nachhaltig stärkt. Der Bundesverband SchienenNahverkehr verfolgt daher das klare Ziel, den Wettbewerb im SPNV durch vielfältige Maßnahmen zu fördern. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht unser Verband daher die aktuellen Ausschreibungsfahrpläne unserer Mitgliedsorganisationen.

Personalkostenindex SPNV

Personalkosten – ein wichtiger Kalkulationsbestandteil bei Vergaben

Die Kosten für das Fahrpersonal (Triebfahrzeugführer*innen und Zugbegleiter*innen) machen in der Regel rund ein Viertel der gesamten „Zugförderkosten“ (also ohne Infrastrukturnutzugsentgelte) aus. Da die meisten Verkehrsverträge eine sehr lange Laufzeit von 8 bis 15 Jahren zuzüglich mehrerer Jahre Vorlaufzeit haben, brauchen die Eisenbahnverkehrsunternehmen die Sicherheit, dass die Steigerung ihrer Kosten über die Jahre auch durch eine entsprechende, sachgerechte Fortentwicklung der Vergütung ausgeglichen wird. Hierfür werden den einzelnen Kostenblöcken bestimmte Indizes des statistischen Bundesamtes zugeordnet. Für die Personalkosten war dies bisher in der Regel der Index H.49 (Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen).

In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass dieser amtliche Index die Besonderheiten des Teilsegments Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und die zugehörigen Regelungen der SPNV-Tarifverträge nicht mehr adäquat abbildete und somit die Indexentwicklung unterhalb der tatsächlichen Personalkostenentwicklung im SPNV lag.

Da es keinen anderen passenderen amtlichen Index gibt, haben Aufgabenträger und EVU gemeinsam einen neuen, diskriminierungsfreien Personalkostenindex, den PKI SPNV für Fahrpersonale, entwickelt. Dieser wird den SPNV-Aufgabenträgern für künftige Neuvergaben zur Anwendung empfohlen.

Als Indexstart wird das Jahr 2020 mit dem Indexwert 100 festgelegt. Ab 2022 wird einmal jährlich der jeweilige Index für das Vorjahr am ersten Montag im März hier auf der Homepage des Bundesverbands SchienenNahverkehr einheitlich für alle veröffentlicht.

Wie der Index ermittelt wird und aus welchen Komponenten er sich zusammensetzt, kann der Dokumentation entnommen werden.

Der Vergabekalender

Mit dem Vergabekalender soll Transparenz bezüglich der voraussichtlichen Veröffentlichungszeitpunkte und der Bearbeitungszeiträume aktuell anstehender Ausschreibungen hergestellt werden. Eisenbahnverkehrsunternehmen erhalten somit bessere Dispositionsmöglichkeiten, für Aufgabenträger werden eventuelle Abgabeterminkollisionen rechtzeitig erkennbar.

Dem Vergabekalender, der bereits laufende Verfahren bzw. die in den nächsten 18 Monaten auf den Markt kommenden Verfahren abbildet, können im Wesentlichen folgende Angaben entnommen werden:

  • Teilnetz
  • Leistungsumfang (Mio. Zkm p.a.)
  • Losbildung vorgesehen
  • Traktion
  • Gebrauchtfahrzeuge zugelassen
  • Laufzeit
  • Art des Verfahrens
  • (geplanter) Termin Veröffentlichung

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