Zum Hauptinhalt springen
4. März 2026

Gemeinsam Digitalisierungspotenziale nutzen und die Bahn wieder zuverlässiger machen

Beim 25. Treff.SchienenNah des Bundesverbands SchienenNahverkehr (BSN) am 25./26. Februar 2026 kamen wieder über 400 Expertinnen und Experten der Bahnbranche in Fulda zusammen. Im Vordergrund standen neben der Vernetzung auch Diskussionen zu den Potenzialen der Digitalisierung sowie den Wegen hin zu mehr Zuverlässigkeit.

In seiner Antrittsrede am Donnerstag, den 26. Februar 2026, hob unser Präsident Peter Panitz die Relevanz der Eisenbahn für eine nachhaltige Mobilität in Deutschland hervor und betonte: „Die Wiederherstellung der Zuverlässigkeit ist die dringendste Aufgabe aller Beteiligten, denn die anhaltende Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit führt zu Unzufriedenheit bei Fahrgästen und Personal. Derartige Mängel bei einem wichtigen Element der Daseinsvorsorge werden dann als Staatsversagen gewertet. Wir brauchen daher unmittelbar wirkende Maßnahmen und Instrumente. Zudem braucht es eine langfristige und auskömmliche Finanzierung der Verkehrsleistung im SPNV.”

Auch Harmen van Zijderveld, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, plädierte in seiner Key Note dafür, dass die Branche gemeinsam Lösungen für die überlastete Infrastruktur finden müsse. Er zeigte auch auf, wie Nah- und Regionalverkehre Innovationstreiber sein können.

Schiene digital: Bestehende Technologien umsetzen

Digitalisierung ist im Bahnwesen ein weites Feld und betrifft sowohl Netz- als auch Kommunikationsinfrastrukturen sowie Fahrzeugtechnologien. In seinem Impulsvortrag erläuterte Jan Schröder, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Hamburg GmbH, wie Automatic Train Operation bei der Hamburger S-Bahn realisiert wird. Er betonte, dass Digitalisierung kein Selbstzweck sei, sondern den verlässlichen Betrieb für die Fahrgäste sichere. Die Digitalisierungsstrategie des Bundesverkehrsministeriums (BMV) mit Fokus auf der Leit- und Sicherungstechnik erläuterte der live aus Berlin zugeschaltete Florian Böhm, Referatsleiter Digitalisierung Schiene (E20) im BMV. Das BMV werde die infrastrukturelle Aus- und fahrzeugseitige Nachrüstung mit ETCS nachhaltig fördern, um auf hochbelasteten Strecken und in Knoten mehr Kapazität zu schaffen und Zugfolgen zu beschleunigen.

In der darauffolgenden Podiumsdiskussion mit Jan Schröder, Florian Böhm, Thomas Laux und Sarah Stark (Verband der Bahnindustrie in Deutschland) bestand Einigkeit darin, dass die bereits existierenden Technologien genutzt werden müssen und vor allem ein Umsetzungs- und kein Erkenntnisproblem besteht.

Aus der Branche, für die Branche: Anwendungen digitalisieren und standardisieren

Die Fachtagung bot auch Einblicke in die Arbeitsgruppen des BSN: Doris Kuhn (Bayerische Eisenbahngesellschaft) und Susann Liebscher (Regionalverkehr Oberbayern) präsentierten das Konzept der Smarten Ersatzmobilität und Anja Gärtner (NAH.SH) und Christian Lutz (Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung) erläuterten, wie sich gesellschaftlicher Wandel und Deutschlandticket auf den Vertrieb der Zukunft auswirken.

Andreas Kolmer (Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen) und Mario Theis (Deutsche Bahn) zeigten, welche Potentiale in qualitativ hochwertiger Reisendeninformation stecken. Abschließend boten Thomas Dill (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg), Sebastian Achtermann (Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft) und Dean Balatinac (Siemens Mobility GmbH) Einblicke in die Bestrebungen der Branche zur Standardisierung von Fahrzeugkomponenten, um damit perspektivisch Beschaffungskosten zu reduzieren und Prozesse zu verschlanken.

Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit: Knoten entlasten, Ertüchtigung finanzieren

Am Nachmittag näherte sich BSN-Geschäftsführer Jan Görnemann dem Themenfeld Zuverlässigkeit und betonte: „Die aktuelle Unzuverlässigkeit und Verspätungslage sind inakzeptabel. Es braucht zum einen dringend die konsequente Sanierung der Infrastruktur. Die Korridore müssen danach auch im Ausrüstungsstandard besser und resilienter sein als vorher und für die Fahrgäste müssen verbesserte Stabilität und Pünktlichkeit deutlich spürbar sein. Zum anderen müssen wir die großen Bahnknoten kurzfristig intelligent entlasten und uns trauen, temporär Leistungen zu reduzieren. Mittel- und langfristig müssen wir parallel die Kapazitäten durch kleininvestive und Ausbaumaßnahmen kraftvoll steigern, z.B. durch Überholgleise, Bahnsteigverlängerungen, mehr Weichen. Entscheidend sind hier messbare Erfolge bereits in den nächsten zwei Jahren.”

In der darauffolgenden Diskussion unter Moderation von Manuel Bosch debattierten die Podiumsgäste Tobias Beckers (Hessische Landesbahn), Matthias Korda (Verkehrsverbund Mittelsachsen), Jörg Sandvoß (ehem. DB AG) und Wolfgang Weinhold (DB InfraGO) verschiedene Lösungsvorschläge. Es bestand Einigkeit darin, dass die Knoten vorübergehend entlastet und ausgebaut werden müssen und zudem langfristig geplant werden muss, um Transparenz und Verlässlichkeit auch in Bausituationen und Ersatzverkehren zu schaffen.

Jörg Sandvoß fasste die Diskussion zusammen: „Es braucht einen Grundkonsens zur gezielten und klugen Entlastung der Bahnknoten in Deutschland, über alle Verkehrsarten hinweg. Die freiwerdenden Trassen müssen aber geschützt werden. Zugleich muss der Bund die Ertüchtigung ebendieser Knoten und der Infrastruktur weiterhin konsequent finanzieren und die DB InfraGO muss entsprechende Sanierungskonzepte erarbeiten.“

Bildnachweis Foto: © Holger Jacoby